Team Ergotherapie

Wahrnehmungstraining

Allgemeines

Die Arbeit mit den Sinnen
Das Wahrnehmungstraining in der Ergotherapie schult die Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen. Mit unseren Sinnen nehmen wir Reize aus unserem Körper und unserer Umwelt wahr und verarbeiten diese in unserem Gehirn.

Funktioniert das Zusammenspiel unserer Sinne nicht, so wird das Empfinden gegenüber sich selbst und der Umwelt gestört. Diese Verzerrung kann beispielsweise zu Problemen im Sozial-, Bewegungs- und Lernverhalten führen. Vor allem bei Kindern kann eine veränderte Wahrnehmung zu prägenden Entwicklungsproblemen führen. Diese sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das Wahrnehmungstraining richtet sich an Menschen jeden Alters. In der Ergotherapie wird die Sinneswahrnehmung individuell verbessert und geschult.

Wahrnehmungstraining wird auch als Sensomotorisch-perzeptive Behandlung bezeichnet.

Unsere 6 Sinne

  • Sehen
  • Hören
  • Riechen
  • Schmecken
  • Fühlen (aufgeteilt Oberflächenwahrnehmung und Tiefenwahrnehmung)
  • Gleichgewichtssinn

 

Das Fühlen

Oberflächen und Tiefenwahrnehmung
Das Fühlen als Sinneswahrnehmung unterscheidet zwischen der Oberflächen- und Tiefensensibilität.

Oberflächensensibilität
Die Oberflächensensibilität wird von unserer Haut wahrgenommen und erfasst Sinneseindrücke wie Druck, Berührung, Vibration, Temperatur und Schmerz. Krabbelt beispielsweise im Sommer ein Marienkäfer über unsere Hand, so fühlen wir dies mit unserem Sinnesorgan Haut und der Oberflächensensibilität.

Tiefensensibilität
Die Tiefensensibilität, auch propriozeptive Wahrnehmung genannt, beschreibt die Sinnesaufnahme von Reizen aus unserem Inneren. Muskeln, Gelenke und Sehnen geben dem Gehirn regelmäßig Informationen über:

  • die Lage des Körpers im Raum,
  • die Richtung einer ausgeführten Bewegung
  • und den Widerstand der auf den Körper wirkt.

Durch diese Fähigkeiten können wir den benötigten Krafteinsatz beispielsweise beim Anheben verschiedener Gewichte beurteilen und optimal dosieren.

Mögliche Übungen zur Schulung der Tiefensensibilität (Durchführung mit verschlossenen Augen):

  • Mit verschlossenen Augen erraten welche Flasche voller und damit schwerer ist.
  • Die Lage des Arms benennen, nachdem dieser vom Therapeuten bewegt wurde und im zweiten Schritt den anderen Arm selbständig in die gleiche Position bewegen.

 

Ziele des Wahrnehmungstraining

  • Verbesserung der Sinnes- und Körperwahrnehmung
  • Verbesserung der Wahrnehmungsverarbeitung
  • Verbesserung von körperlichen Funktionen, wie Fein- und Grobmotorik
  • Schulung der Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • Verbesserung der Realitätsbezogenheit
  • Schulung der sozioemotionalen Fähigkeiten
  • Verbesserung der Interaktionsfähigkeit
  • Stabilisierung der psychischen Einstellung

 

Anwendungsgebiete

  • Neurologie
  • Psychosomatik
  • Geriatrie
  • Pädiatrie

 

Beispiele für das Wahrnehmungstraining

Sensibilitätsschulung
Verschiedene Ursachen können zu Sensibilitätsstörungen führen, wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, Unfälle oder neurologische Erkrankungen.

Bei der Sensibilitätsschulung wird mit vielfältigen Materialien gearbeitet. Raue, weiche, harte, warme und kühle Reize kommen zum Einsatz. Der Klient soll sich während der Behandlung auf das Erspüren der Materialien konzentrieren. Diese Übung kann mit offenen und geschlossenen Augen durchgeführt werden. Auch blindes ertasten von Gegenständen schult die Sensibilität.

Neglect Training
Als Neglect bezeichnet man die Wahrnehmungsstörung einer Körperhälfte nach einer Schädigung des Gehirns. Diese äußert sich als nicht oder schlechtes Wahrnehmen der Körperhälfte, welche sich gegenüberliegend der betroffenen Hirnhälfte befindet. der Neglect kann sich auch als Missachten eines bis aller Sinnesreize der betroffenen Seite äußern.

In der Ergotherapie wird die Wahrnehmung der vernachlässigten Körperhälfte geschult und darauf geachtet, dass der Klient diese im Alltag nach seinen Möglichkeiten mit einbezieht.